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Hufrehe beim Pferd

2025-12-16 16:02:00 / Pferde

Symptome erkennen, behandeln und Reha-Plan

Pferde

Hufrehe (Laminitis) ist ein medizinischer Notfall, bei dem sich die Huflederhaut entzündet und die Hufkapsel vom Hufbein lösen kann. Sofortige Maßnahmen sind entscheidend: Rufen Sie den Tierarzt, stoppen Sie jede Bewegung, stellen Sie das Pferd auf weichen Untergrund und kühlen Sie die Hufe konsequent mit Eiswasser. Nur schnelles Handeln verhindert irreversible Schäden wie eine Hufbeinrotation oder das Ausschuhen.

Als Pferdebesitzer ist die Diagnose „Rehe“ ein Schock. Wir von Stallprofi24 kennen diese Sorgen aus der Praxis. Doch Hufrehe ist heute kein sicheres Todesurteil mehr. Mit dem richtigen Management, angepasster Ausrüstung und Disziplin finden viele Pferde zurück in ein schmerzfreies Leben. Dieser Ratgeber führt Sie durch die Akutphase und liefert den entscheidenden Reha-Plan für die Zeit danach.

Was ist Hufrehe (Laminitis)?

Bei einer Hufrehe entzündet sich die Huflederhaut – das Gewebe, das das Hufbein mit der Hornkapsel verbindet. Da sich der Huf nicht ausdehnen kann, führt die Schwellung zu extremem Druckschmerz und Durchblutungsstörungen.

  • Das Risiko: Löst sich durch die Entzündung der „Aufhängeapparat“, zieht die tiefe Beugesehne das Hufbein nach unten. Es kommt zur gefürchteten Hufbeinrotation oder Hufbeinsenkung.
  • Die Folge: Im Röntgenbild zeigt sich dies oft durch eine verbreiterte „Weiße Linie“. Im schlimmsten Fall durchbricht das Hufbein die Sohle.
Hufrehe - Pferdearzt

Symptome: So erkennen Sie einen akuten Schub

Je früher Sie reagieren, desto besser die Prognose. Prüfen Sie bei Verdacht sofort diese Punkte:

  • Sägebockstellung: Das Pferd entlastet die schmerzenden Vorderhufe, indem es die Vorderbeine weit nach vorne streckt und die Hinterbeine unter den Bauch schiebt.
  • Wendeschmerz: Das Pferd dreht sich nur extrem widerwillig und geht „wie auf Eiern“.
  • Hufpuls (Pulsation): Ein kräftiges, pulsierendes Pochen ist an den Mittelfußarterien am Fesselkopf deutlich fühlbar.
  • Wärme: Die Hufe (oft die Vorderhufe) sind deutlich wärmer als normal.
  • Gewichtsverlagerung: Das Pferd wechselt im Stand ständig das belastete Bein.

Ursachen: Warum bekommt ein Pferd Rehe?

Nur wenn der Auslöser gefunden wird, lässt sich ein erneuter Rehe-Schub verhindern.

  • Futterrehe & Stoffwechsel: Die häufigste Ursache. Auslöser sind oft Fruktan (Gras) oder Stärke bei Pferden mit EMS (Equines Metabolisches Syndrom), Insulinresistenz oder PPID (Cushing). 
  • Belastungsrehe: Durch mechanische Überlastung, etwa langes Traben auf Asphalt oder einseitige Belastung durch Verletzung des Gegenbeins.
  • Geburtsrehe: Entsteht durch Toxine bei einer Nachgeburtsverhaltung bei Stuten.
  • Vergiftungsrehe: Durch Aufnahme giftiger Pflanzen oder Medikamente.

Erste Hilfe: Checkliste für den Notfall

Handeln Sie bei Verdacht auf eine Huflederhautentzündung sofort nach diesem Schema:

  1. Tierarzt rufen: Melden Sie einen akuten Rehe-Verdacht.
  2. Bewegung stoppen: Jeder Schritt kann die Verbindung im Huf weiter zerreißen. Lassen Sie das Pferd stehen, wenn möglich.
  3. Weich stellen: Bringen Sie das Pferd auf tiefen Sand oder in eine dick eingestreute Box. Harter Betonboden ist Gift. Nutzen Sie Paddockplatten (idealerweise mit Sandauflage) oder Polsterverbände, um die Sohle zu schützen.
  4. Kühlen (Kryotherapie): Kühlen Sie die Beine bis zum Karpalgelenk aggressiv mit Eiswasser oder Crushed Ice (mindestens 20-30 Minuten, Pause, Wiederholung) bis der Arzt eintrifft. Das hemmt die Entzündungsenzyme.

Medizinische Behandlung & Diagnose

Der Tierarzt wird mittels Röntgenbildern den Grad der Rotation bestimmen. Die Therapie umfasst:

  • Schmerzmanagement: Gabe von Entzündungshemmern.
  • Durchblutungsförderung: Z.B. durch Aderlass oder Heparin.
  • Hufunterstützung: Anbringen eines Gipses, Casts oder speziellen Rehebeschlags, um die Zehe schweben zu lassen und den Trachtenbereich zu unterstützen.

Der Weg zurück: Rehabilitation & Management

Nach der Akutphase beginnt die eigentliche Arbeit für Sie als Stallbesitzer. Hier entscheiden Haltung und Pflege über die Zukunft des Pferdes.

Pferde Box

Hufbearbeitung: Beschlag vs. Hufschuhe

Sobald die Entzündung abgeklungen ist, muss der Huf korrigiert werden (Trachten hoch, Zehe kürzen), um den Zug der Sehne zu verringern.



Methode

Vorteile

Nachteile

Empfehlung

Rehebeschlag (Eisen)

Hohe Stabilität, fester Sitz

Nageln erschüttert den schmerzhaften Huf, Hufmechanismus eingeschränkt

Bei schwerer Rotation oft nötig

Klebeschuhe

Schonend (kein Nageln), flexibler

Teurer, hält oft kürzer

Ideal in der frühen Reha-Phase

Hufschuhe mit Polster

Flexibel anpassbar, abnehmbar

Muss täglich kontrolliert werden (Druckstellen)

Perfekt für Barhuf-Pferde & Übergang



Mental Health: Boxenruhe erträglich machen

Ein Rehepferd muss oft wochenlang stehen. Um die Psyche zu schonen, ohne den Stoffwechsel zu belasten:

  • Fresszeit verlängern: Nutzen Sie extrem engmaschige Heunetze. So ist das Pferd stundenlang mit kleinen Mengen Heu beschäftigt.
  • Beschäftigung: Bieten Sie ungiftige Knabberhölzer an.
  • Sozialkontakt: Sichtkontakt zu Artgenossen ist Pflicht. Trennen Sie ggf. einen Bereich mit Panels ab.

https://stallprofi24.de/weidepanel-pferd

Fütterung: Die lebenslange Diät

Ein Rehepferd bleibt lebenslang risikobehaftet. Die Fütterung muss strikt zucker- und stärkearm sein.

  • Raufutter: Waschen Sie das Heu (30–60 Min. wässern), um wasserlösliche Kohlenhydrate (Zucker) auszuwaschen. Füttern Sie ca. 1,5 % bis 2 % des Zielkörpergewichts.
  • Verzichten Sie auf: Getreide, Müsli, Brot, Äpfel und Möhren.
  • Mineralisierung: Ein spezielles Mineralfutter ohne Melasse ist wichtig für die Hufqualität.
  • Weidegang: Nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt! Nutzen Sie für den Anfang kleine Parzellen, die Sie sicher mit Weidezaunmaterial abstecken, oder nutzen Sie Maulkörbe.

Kostenübersicht: Was kommt auf mich zu?

Eine Rehe-Behandlung ist kostenintensiv. Hier eine realistische Schätzung für die ersten 6 Monate (mittelschwerer Verlauf):

Position

Leistung

Geschätzte Kosten (ca.)

Tierarzt

Notdienst, Röntgen (3-4x), Medikamente, Aderlass

1.500 € - 3.000 €

Hufbearbeitung

Spezialbeschlag / Klebebeschlag (alle 5-6 Wochen)

800 € - 1.200 €

Futter/Zusätze

Spezialfutter, Mineralien, Heu wässern

300 € - 500 €

Gesamt

Basiskosten für 6 Monate

2.600 € - 4.700 €

Hinweis: Klinikaufenthalte oder OPs erhöhen diese Kosten signifikant.

Häufige Fragen zu Hufrehe (FAQ)

Die Hufrehe beim Pferd ist eine schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut. Dabei wird die Blutzirkulation in der feinen Lederhaut gestört, und Blut staut sich. Da sich die starre Hufwand nicht ausdehnen kann, entsteht ein massiver Druck im Huf, der extreme Schmerzen verursacht. Wird dieser Prozess nicht gestoppt, droht eine Schädigung des Aufhängeapparats und das Hufbein kann Richtung Hufsohle absinken oder rotieren.

Die Entstehung wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Neben Vergiftungen oder mechanischer Überbelastung (z.B. langes Traben auf Asphalt) ist die Fütterungsrehe die häufigste Form. Wenn die Darmflora kippt, gelangen Toxine in die Blutbahn und lösen die Entzündung aus. Ein Hauptproblem ist Übergewicht: Jedes Kilo zu viel Gewicht belastet den Stoffwechsel. Besonders Ponys und bestimmte Rassen sind anfällig für das Cushing Syndrom (PPID) oder EMS, was das Risiko für Reheschüben drastisch erhöht.

Erste Anzeichen sind ein klammer Gang oder Lahmheit. Typisch ist die „Sägebockstellung“, um die Zehe zu entlasten. Als Sofortmaßnahmen gilt: Tierarzt rufen, Bewegung stoppen und Hufe kühlen! Für Rehepatienten ist eine strikte Anpassung der Ernährung überlebenswichtig.

Vorsicht ist geboten, besonders im Frühjahr und Herbst, wenn das Gras viel Fruktan enthält. Dies kann bei vorbelasteten Pferden sofort einen neuen Schub auslösen. Ohne Maulkorb und striktes Zeitmanagement ist Weidegang oft zu riskant.

Eine zentrale Rolle. Der Hufschmied muss die Stellung des Hufes korrigieren (Trachten hoch, Zehe kurz), um den Zug der tiefen Beugesehne zu verringern. Nur durch fachgerechte Bearbeitung kann die Krankheit langfristig gemanagt werden.

Fazit zum Thema Hufrehe

Hufrehe erfordert Geduld, Disziplin und ein gutes Team aus Tierarzt, Schmied und Besitzer. Mit der richtigen Ausstattung für den Stall und konsequentem Futtermanagement können Sie Ihrem Pferd helfen. Benötigen Sie Zubehör für die Einrichtung einer weichen Krankenbox oder engmaschige Heunetze zur Fressregulation? Wir von Stallprofi24 beraten Sie gerne persönlich. Rufen Sie uns an oder besuchen Sie uns in Schrobenhausen!